Kommune


Kommune

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Kom|mu|ne [kɔ'mu:nə], die; -, -n:
Gemeinde (1 a):
Bund, Länder und Kommunen.

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Kom|mu|ne 〈f. 19
1. 〈MA〉 Stadtstaat mit republikanischer Verfassung (bes. in Italien)
2. 〈allg.〉 Gemeinde
3. Wohn-, Arbeits- u. mitunter auch sexuelle Gemeinschaft mehrerer Personen
● Pariser \Kommune [kɔmy:n] die revolutionären Gegenregierungen in Paris 1792-1794 u. von März bis Mai 1871 [<frz. commune „Gemeinde“ <lat. communis „gemeinsam“]

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Kom|mu|ne , die; -, -n:
1. [mhd. com(m)ūne = Gemeinde < (a)frz. commune < (v)lat. communia, eigtl. Neutr. Pl. von: communis = allen gemeinsam, allgemein] (Verwaltungsspr.) Gemeinde (Dorf, Stadt o. Ä.) als unterste Verwaltungseinheit:
Bund, Länder und -n.
2. Wohngemeinschaft, die bürgerliche Vorstellungen hinsichtlich Eigentum, Leistung, Konkurrenz u. Moral ablehnt:
eine K. gründen;
sie trat einer K. bei;
in einer K. leben.

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Kommune
 
[französisch, zu lateinisch communis »mehreren oder allen gemeinsam«, »allgemein«] die, -/-n,  
 1) Kommunalwesen: Gemeinde (als unterste Verwaltungseinheit).
 
 2) Soziologie: von ihren Begründern geprägte Bezeichnung für eine Lebens- und Wohngemeinschaft, die als ein Bestandteil der Alternativkultur in westlichen Industriegesellschaften seit dem Ende der 1960er-Jahre (zum Teil auch aus ökonomischen Gründen) häufig in Form einer Wohngemeinschaft (WG) praktiziert wird und die Eigentums-, Leistungs-, Konkurrenz- und Moralvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft ablehnt. Heute wird eine WG überwiegend als rein ökonomische beziehungsweise sozial-private Gemeinschaft gesehen. - Auch vom Anarchismus und Anarchosyndikalismus angestrebte Lebens-, Wohn- und Produktionsgemeinschaften werden als Kommune bezeichnet.
 
 3) Pariser Kommune, französisch Commune de Paris [kɔmyndəpa'ri], Bezeichnung für den Pariser Stadtrat 1) vom Juli 1789 bis 1795. Nach der Erstürmung der Tuilerien (10. 8. 1792 repräsentierte sie mit ihren 288 Mitgliedern v. a. die militanten Revolutionäre von Paris. Als auf politische Eigenständigkeit bedachtes Gremium spielte sie unter dem Einfluss M. de Robespierres, G. Dantons und J.-P. Marats eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung mit den in der Nationalversammlung vertretenen Girondisten. Insbesondere von ihr ging zunächst der Kampf gegen die katholische Kirche aus. Nach der Hinrichtung J.-R. Héberts (24. 3. 1794 entscheidend geschwächt, wurde sie durch eine Finanz- und eine Verwaltungskommission ersetzt; 2) von Ende März 1871 bis Ende Mai 1871. Nach der Kapitulation von Paris (28. 1. 1871) im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 führten nationalen Widerstand gegen den Vorfrieden mit Deutschland und die Opposition der Republikaner in Paris gegen die weitgehend monarchisch gesinnte Nationalversammlung zum Aufstand der Pariser Nationalgarde gegen die Truppen der Regierung Thiers (18. 3. 1871. Aus den vom Zentralrat der Pariser Nationalgarden abgehaltenen Wahlen ging Ende März die Kommune hervor, ein aus 85 Personen gebildetes Stadtparlament, das die unterschiedlichsten demokratisch-egalitären und sozialistischen Ideenrichtungen repräsentierte. Die von der Kommune ergriffenen Maßnahmen (Erlass von Miet- und Wechselschulden, Arbeitsschutz, unentgeltlicher Schulunterricht) wiesen in Richtung einer sozialen Republik. Da die Kommune nicht imstande war, eine wirksame politische und militärische Führung zu organisieren, erlag sie schließlich nach verlustreichen Kämpfen den in Paris eingedrungenen Regierungstruppen unter Marschall Mac-Mahon (28. 5. 1871. Beim Endkampf der Kommune gegen die Regierungstruppen während der »blutigen Woche« (Semaine sanglante, 21.-28. 5.) kam es auf beiden Seiten zu Grausamkeiten; die Zahl der Opfer wird auf mindestens 20 000 geschätzt. Bis 1875 folgten zahllose Prozesse (26 Hinrichtungen) und Deportationen. - Die Interpretation des Aufstands als eines planmäßigen Versuchs sozialistischer Revolution, die K. Marx am 30. 5. 1871 vor der Ersten Internationale gab, bestimmte weitgehend das spätere Bild der Pariser Kommune.
 
 
G. Soria: Grande histoire de la Commune, 5 Bde. (Paris 1970-71);
 J. Rougerie: Paris libre 1871 (ebd. 1971);
 J. Rougerie: Paris insurgé. La Commune de 1871 (ebd. 1995);
 C. Rihs: La commune de Paris. Sa structure et ses doctrines (ebd. 1973);
 H.-G. Haupt u. K. Hausen: Die Pariser K. Erfolg u. Scheitern einer Revolution (1979);
 A. Horne: The fall of Paris. The siege and the Commune, 1870-71 (Neuausg. London 1989).
 

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Kom|mu|ne, die; -, -n [1: mhd. com(m)ūne = Gemeinde < (a)frz. commune < (v)lat. communia, eigtl. Neutr. Pl. von: communis = allen gemeinsam, allgemein; 2: frz. Commune de Paris]: 1. (Verwaltungsspr.) Gemeinde (Dorf, Stadt o. Ä.) als unterste Verwaltungseinheit: Bund, Länder und -n; typisch für die Planungsmisere in vielen westdeutschen -n (Spiegel 22, 1977, 193). 2. *Pariser K. (1. der Gemeinderat von Paris während der Französischen Revolution. 2. Pariser Gemeinderat u. seine Anhänger von März bis Mai 1871). 3. Wohngemeinschaft, die bürgerliche Vorstellungen hinsichtlich Eigentum, Leistung, Konkurrenz u. Moral ablehnt: eine K. gründen; sie trat einer K. bei; in einer K. leben. 4. <o. Pl.> (veraltend abwertend) Gesamtheit der Kommunisten.

Universal-Lexikon. 2012.

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